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Seelenpartnerschaft: Ich musste meine Dualseele loslassen


Ich kenne ihn gut, den unbestimmten Schmerz und die unbestimmte Sehnsucht, die ich an manchen Tagen unvermittelt fühle. Vielleicht ist ein bestimmter Duft der Auslöser, der Anblick der untergehenden Sonne im Herbst, wenn alle Blätter bunt gefärbt sind und das Licht in ganz besonders intensiven Farben strahlt, oder auch nur irgendeine leise Melodie, die ich zufällig gehört habe. Es ist ein leiser Schmerz. Wie eine Erinnerung an etwas, eine Seelenpartnerschaft, die ich loslassen musste und die ich nun verloren habe und sie seitdem in allen Dingen suche, die mir begegnen. Die Seelenpartnerschaft, die ich aber dennoch nicht wieder finden kann. Ich weiß nur, ich habe diese Seelenpartnerschaft verloren. Etwas, mit dem ich früher einmal eins gewesen bin. Und ich sehne mich nun, mein Leben lang danach, den Zustand dieser Seelenpartnerschaft und dieser Liebe wiederherzustellen und kann sie doch nicht erreichen.

Seelenpartnerschaft: Einst waren wir eins


Bereits in der Antike und in uralter Zeit geisterte die Legende, dass es zu jeder menschlichen Seele eine Seelenpartnerschaft mit einer zweiten, einer Dualseele gäbe, die den Menschen erst vollkommen machen würde. Zwei Seelen bilden dabei eine Seelenpartnerschaft, die vollkommene Harmonie, in der alles ruht. Dann aber, irgendwann,

Seelenpartnerschaft

Einsam ohne Seelenpartner

zerfiel die Seelenpartnerschaft. Viele sagen, die Seelenpartnerschaft zerfiel in einen weiblichen und männlichen Teil. Die Chinesen verwenden für die zerstörte Seelenpartnerschaft die Begriffe Yin und Yang. In anderen Kulturen nennt man die einstige Seelenpartnerschaft Schwarz und Weiß. Viele Begriffe für die Seelenpartnerschaft, die ein und dasselbe Gefühl beschreiben. Den Schmerz, die Seelenpartnerschaft zu vermissen. Den Schmerz, der aus meiner Erinnerung an die Seelenpartnerschaft resultiert. Jene Zeit, in der unsere Seelen eins waren, in der es Angst und Verzweiflung nicht gab.

Ich weiß nicht, wo die andere, die verlorene zweite Seele, die andere Hälfte, der Seelenpartner, zu suchen ist. Ich spüre nur den Schmerz um die verlorene Seelenpartnerschaft und die Liebe. Einen Schmerz um die Seelenpartnerschaft, den ich kaum in Worte fassen kann. Ich hatte sie im Jahre 1984 kennengelernt und wir wurden nach der ersten Begegnung fast sofort ein Paar. Es war eine dieser Partnerschaften, von denen es hieß, man verstünde sich auf Anhieb und ohne viele Worte. Stets hatte ich dabei das Gefühl, wir würden einander schon ewig kennen und wären wie füreinander geboren. Alles funktionierte ohne viele Worte. Gesten und Blicke ersetzten das Reden in der Partnerschaft. Natürlich war auch immer ein wenig Angst dabei, den Partner und diese Liebe plötzlich verlieren zu können. Vielleicht war es auch eine Ahnung.

Der Schmerz um die Seelenpartnerschaft ist der Motor


An dem Tag ihres Unfalls war ich nicht in der Stadt. Als ich zu ihr in dieses lichtdurchflutete Zimmer auf der Intensivstation durfte, begriff ich zunächst nicht, was es bedeutete, keine Gehirnaktivität mehr zu haben. Sie lag doch noch da, als ob sie schlafen würde. Aber ihre Eltern hatten die Organe bereits frei gegeben. Man gab mir alle Zeit, um mich von der verwandten Seele zu verabschieden, deren Gegenwart ich in diesem Moment, als ich auf der Kante ihres Bettes saß und das weiche Haar an ihrer Schläfe streichelte, schon nicht mehr spürte. Ich spürte nur noch Schmerz.

Dieser Schmerz um meine Seelenpartnerschaft, nach der verschwundenen Dualseele, ist der Motor meines Daseins. Er lässt mich nach der Seelenpartnerschaft suchen, in jedem anderen Menschen, dem ich begegne. Dieser Schmerz um den Seelenpartner ist letztendlich die Ursache dafür, weshalb ich mich zeitlebens auf die Suche begebe. Auf die Suche nach einem Partner, der mein Leben, meine Leiden und Ängste, aber auch mein Glück und meine Hoffnungen mit mir teilt. In jedem Partner suche ich verzweifelt meinen verlorenen Seelenpartner, von dem ich in einer Zeit vor meiner Geburt getrennt worden bin, wie ein Kind von der Mutter beim Durchtrennen der Nabelschnur. Unendlich einsam laufe ich seither durch die Welt. Ganz auf mich allein gestellt, wie es im Grunde jeder Mensch ist. Für mich allein und auf mich allein gestellt.

Darum gehe ich auf andere Menschen zu. Darum knüpfe ich neue Bekanntschaften, suche neue Beziehungen und verliebe mich. Weil ich im Grunde meines Herzens stets auf der Suche nach meinem verlorenen Seelenpartner bin, der mich als eine verschwommene Erinnerung verfolgt. Als eine Erinnerung an eine glücklichere Zeit. Als Erinnerung an Tage, da ich noch vollständig und damit vollkommen war. Viele Menschen sind Enttäuschungen für mich. Sie entpuppen sich nicht als mein zweites Ich, als meine verlorene Dualseele, sondern nicht selten als Egoisten und Individualisten, die auch nur auf der Suche nach ihrem jeweiligen verlorenen zweiten Ich sind. Ich kann ihnen dann nicht helfen. Auch sie können mir nicht helfen. Im Grunde bleibe ich ihnen fremd in der Beziehung fremd. Auch wenn ich sie berühre, berühren sich unsere Seelen dennoch nicht.

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